Liebe Zen Faktor-Leser, anbei ein inspirierendes Video von Matthieu Ricard. Er hat Molekularbiologie studiert und ist nun buddhistischer Mönch. Viele seiner Aussagen in diesem Video finde ich wirklich wertvoll.

Vor allem dass Glück nicht von Außen kommt – man könnte eine supermoderne Wohnung im 100. Stockwerk eines modernen Wohnhauses haben, aber wenn man nicht innerlich glücklich ist, dann hilft das alles auch nicht.

Aber auch diese innere Suche wird Zeit brauchen. Man muss es trainieren. Um viele schöne Ideen und Inspirationen zu bekommen, anbei das Video (TEDTalk)


Schlechte Gewohnheiten hat wohl jeder, ich selbst habe Viele davon. Eines der Probleme bei Gewohnheiten ist, dass bestimmte Aktivitäten schon so integriert sind in unser Leben, dass wir es gar nicht mehr als so schlecht wahrnehmen. Manchmal brauchen wir einfach eine äußere Perspektive, um darauf hingewiesen zu werden. Vielleicht sagt es uns ein guter Freund.

Essen = Fernsehen

Bei mir ist es aufgefallen, als ich wieder auf einen Artikel gestoßen bin. Und bei mir war das große (nicht entdeckte) Problem, dass ich immer etwas machen will beim Essen. Ich kann nicht nur ruhig essen, sondern ich muss mich aktiv ablenken. Die meiste Zeit muss ich eine Sitcom schauen. Oder vielleicht einen Film. Oder vielleicht ein Magazin lesen. Manchmal suche ich dann 20 Minuten nach einem Film und kann davor nicht Essen.

Das Essen nehme ich dann nebensächlich auf und ich stopfe mich voll. Ich esse schneller und somit merke ich nicht die Signale vom Körper, dass ich schon satt bin bzw. vielleicht hat der Prozess noch gar nicht begonnen. Es braucht ja eine gewisse Zeit (ca. 20 Minuten), bis das Sättigungsgefühl kommt. Und auch wenn das Sättigungsgefühl kommt – esse ich immer weiter – ich bin ja abgelenkt.

Das Problem dabei ist, wenn ich dann Film schauen will, dann will ich auch Essen. Pavlov grüßt.

Kurz nebenbei: Ich war mein ganzes Leben eigentlich entweder mehr oder minder Übergewichtig, vor allem in den letzten Jahren hatte ich teilweise große Probleme. Ich wohne alleine, und vielleicht habe ich keine richtige “Außenperspektive”. Daher war diese schlechte Gewohnheit nicht als schlecht eingestuft worden.

Wie Gewohnheiten brechen? Wiederholen, wiederholen, wiederholen

Das Schöne an Gewohnheiten ist, dass man diese ändern kann. Es dauert teilweise einfach eine Weile, aber es klappt. So habe ich mir vorgenommen, dass ich mich nicht mehr aktiv ablenke beim Essen, sondern dass ich mich auf das Essen konzentriere. Und umgekehrt, wenn ich Film schaue, dann esse ich nichts mehr (Ausnahme: Früchte oder kleiner Salat).

Die ersten paar Male waren richtig, richtig hart. Und ich hatte sehr schnell gegessen, damit ich endlich Film schauen kann. Paar mal später konnte ich mich auf das Essen konzentrieren und das Bedürfnis, Film zu schauen beim Essen wird weniger. Nach 1-2 Wochen konnte ich sogar ein bisschen ruhiger Essen. Langsam hatte ich sogar nicht mehr das Bedürfnis, mich irgendwie abzulenken. Vielleicht denke ich mal zwischendurch, mal schaue ich raus aus dem Fenster. Aber dann wende ich mich wieder langsam dem Essen zu.

Wie sieht’s bei dir aus?

Vielleicht gibt es bei dir Assoziationen und Gewohnheiten, die du brechen willst? Ich denke, einige Gewohnheiten sind härter zu durchbrechen, da vielleicht der Körper dann auch verändert wird (z.B. bei Zigaretten), andere sind vielleicht relativ klein, so dass man es gar nicht merkt.

Aber wenn es dich stört, dann solltest du die ersten Schritte gehen und es einfach mal versuchen. Vielleicht eine überschaubare Zeit, in der du die Gewohnheit brichst – und danach schaust du weiter.

Mittlerweile kann ich Essen und Film auseinanderhalten und kann das Essen (und den Film!) genießen. Das hat dann zu anderen Sachen geführt, so dass ich andere schlechte Assoziationen brechen konnte und Gute einführe. So wasche ich das Geschirr direkt nach jedem Essen (naja, manchmal nach 2 oder 3) – aber ich lasse das Waschbecken nicht mehr vollquillen mit Tellern und Gläsern.


In mehreren Phasen meines Lebens war mein Ziel immer mehr zu erreichen – im Sinne von mehr Titel, mehr Mitgliedschaften, mehr Aktivitäten. Wenn ich mal zu viel zu tun hatte und ich hatte das Gefühl, ich kann nicht alles vernünftig schaffen, dann habe ich mir paradoxerweise mehr aufgebürdet. Vielleicht um zu zeigen, dass ich es doch schaffen kann. Vielleicht auch als Fluchtweg von den jetzigen Problemen.

Immer mehr, immer mehr

Und ich wollte Vieles schaffen – mit jeder Aufgabe hatte ich die Hoffnung, dass es mir nach Erledigung der Aufgabe lange Zeit glücklich bin. Ich war hoffnungsvoll, dass es besser sein wird – wenn ich nun die Aufgabe erledige. Doch dann habe ich die Aufgabe erledigt. Einige Sekunden war ich glücklich. Vielleicht habe ich gerade einen Bericht abgeschickt und war erleichtert. Doch dann schlich sich wieder die “Normalität” ein und ich suchte nach der nächsten Hoffnung.
Ich frage mich nun: War’s das? Wochenlange Arbeit um paar Sekunden erleichtert zu sein? Die nächste Aufgabe kommt bestimmt. Ich wollte nicht ein Esel sein, dem eine Karotte einem Meter vor dem Gesicht gehängt wird und ich diesem immer weiterlaufe.

Zielfixiertheit

Ich war so auf das Ziel fixiert und habe vergessen den Weg zu betrachten. Ich habe alles Andere ignoriert, und obwohl der Weg hart war und mir nicht unbedingt viel Spaß gebracht hat, gab es die Hoffnung, dass nach Erreichung des Ziels Vieles besser sein wird. Aber irgendwie war es nicht so.

Vielleicht sollte ich mich lieber auf den Weg fokussieren – dass der Weg wir Spaß bringen soll. Dass ich nicht nur stur auf das Ziel zulaufen soll, sondern auch mal nach links und rechts schaue. Vielleicht macht mir die Arbeit mehr Spaß, vielleicht schaffe ich bessere Qualität und bin nicht immer so gehetzt.

Ich habe mich eingelesen in die Glücksforschung: Artikel, Blogs, Bücher – Alles, was ich bekommen konnte. Und auch diese Texte bestätigen: Man sollte sich nicht zu viel die Hoffnungen auf das Ziel setzen. Menschen sind sehr anpassungsfähig, und nachdem ein großes Glücksgefühl (oder auch Negativgefühl) eingesetzt hat, normalisiert es sich nach einer gewissen Zeit wieder. Lottogewinner haben sich – was ihr Glücksempfinden – nach einem Jahr wohl wieder “normalisiert”.

Der Weg sollte Spaß bringen

Und so stelle ich es mir mit dem Erreichen einer Herausforderung vor. Wenn mann sich aber jedes Mal auf die Aufgabe freut, wenn es Spaß macht, den Weg zu laufen – dann ändert sich Vieles. Man freut sich nicht nur auf die Hoffnung, auf das Ziel, sondern auch auf die Zeit in der man mit der Aufgabe verbringt. Man ist viel produktiver, man liefert vielleicht sogar bessere Sachen und man hat mehr Spaß dran.
Doch das funktioniert auch nur, wenn man die Arbeit mag. Da fällt mir die Redewendung ein: “Love it, change it or leave it.” Einfacher geschrieben als getan, aber diesem Prinzip zu folgen lohnt sich allemals. Vielleicht kann man den Arbeitsplatz so gestalten, dass die Arbeit Spaß macht? Vielleicht kann man bestimmte Dinge im Arbeitsablauf ändern, damit man sich auf die wichtigen und erfüllenderen Dinge konzentrieren kann?

Ich versuche meinen Tisch ganz frei zu bekommen außer einer Tastatur Laptop und Maus. Diese stehen ganz an der Seite damit ich den Rest des Tisches frei habe, z.B. für Brainstorming auf A3-Papier für einen Bericht, den ich schreiben sollte. Oder vielleicht Folien ausdrucken, auf den Tisch ausbreiten und eine Präsentation mal von der Vogelperspektive anzuschauen – oft fallen mir dann gute Ideen ein. Ich habe den kreativen Teil meiner Arbeit vergößert, den Anteil am Computer habe ich reduziert, aber die Erledigung der ganzen Aufgabe schaffe ich kreativer, oft auch schneller und besser. Und es bringt mir mehr Spaß, weil ich meine Stärken besser einbringen kann.